Stolpersteine in Schötmar

Die folgenden Texte wurden für die Verlegung der Stolpersteine erstellt. Der frühere Stadtarchivar Franz Meyer hat sie zur Verfügung gestellt

Lebensgeschichten ermordeter Juden aus Schötmar

Die Texte der Stationen I bis VIII wurden von Schülerinnen und Schülern der Eduard-Hoffmann-Realschule anlässlich der Setzung dieser Stolpersteine am 8. Dezember 2011 vorgetragen

 

Station I: Schloßstraße 16

Ida, Henny und Max Rosenwald

Hier in der Schloßstraße 16 ? die Straße hieß während der Nazi-Zeit Hindenburgstraße ? lebte und arbeitete die Familie Rosenwald; das waren, zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, die 1869 in Bolzum, Kreis Hildesheim, geborene Witwe Ida Rosenwald sowie die 1868 und 1870 in Schötmar geborenen Geschwister Henny und Max Rosenwald, die beide nicht verheiratet waren.

In dem Vorgängerbau dieses in den 1960er Jahren errichteten Hauses unterhielten die Rosenwalds ein Manufakturwaren-Geschäft, das 1904 von Hermann Rosenwald, dem Ehemann der Ida Rosenwald (geborene Güdeman), gegründet worden war. Hier konnte man alles bekommen, was in einem Haushalt benötigt wurde, zum Beispiel Geschirr, Besteck, Handtücher, Seife, Waschmittel, Knöpfe, Schuhbänder und Glühbirnen. Auf Druck der Nazis mussten die Rosenwalds ihr Geschäft zum Jahresende 1938 schließen.

Hermann Rosenwald, der Gründer des Geschäfts, starb am 10. Juni 1939 im Alter von 76 Jahren. Er wurde auf dem Friedhof an der Oerlinghauser Straße beigesetzt. Man findet sein Grabmal im hinteren Bereich des Friedhofes. Durch seinen Tod noch vor Kriegsbeginn sollte ihm das Schicksal seiner Frau Ida und das seiner beiden Geschwister erspart bleiben.

Denn Ida Rosenwald, die ihren Mann bei der Arbeit in dem Geschäft tatkräftig unterstützt hatte, wurde ? gemeinsam mit Henny und Max Rosenwald ? am 31. Juli 1942 von Bielefeld aus in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Von dort aus wurden die Rosenwalds in das Vernichtungslager Maly Trostenez (bei Minsk) verschleppt und dort ermordet. Ihr Todesdatum ist nicht bekannt.

Texte auf den Stolpersteinen

HIER WOHNTE IDA ROSENWALD GEB. GÜDEMANN  JG. 1869 
DEPORTIERT 1942  THERESIENSTADT  ERMORDET IN MALY TROSTENEZ

 

HIER WOHNTE HENNY ROSENWALD JG. 1868
DEPORTIERT 1942 THERESIENSTADT ERMORDET IN MALY TROSTENEZ

 

 

HIER WOHNTE MAX ROSENWALD JG. 1870
DEPORTIERT 1942 THERESIENSTADT ERMORDET IN  MALY TROSTENEZ

 

Station I: Schloßstraße 16

Gertrud und Hans Eichmann

Zu den Bewohnern des Hauses Schloßstraße 16 gehörten auch Hans Eichmann (Jahrgang 1894) und dessen 1902 in Barntrup geborene Ehefrau Gertrud (geborene Katz). Hans Eichmann war wie sein jüngerer Bruder Bruno als Viehhändler tätig. Seine 1932 gegründete Viehhandlung befand sich in der Weinbergstraße 29. Weil die Geschäfte wegen der systematischen Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung nur sehr schleppend liefen, musste Hans Eichmann bereits im Sommer 1937 seine Viehhandlung schließen. Er arbeitete danach im Geschäft seines Bruders.

Am Morgen des 10. November 1938 wurde Hans Eichmann ? zusammen mit sechs anderen Männern der Jüdischen Gemeinde Bad Salzuflen-Schötmar ? verhaftet und für mehrere Wochen in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Am 12. Dezember 1938 wurde er aus dem Lager entlassen.

Drei Jahre später, am 13. Dezember 1941, wurde Hans Eichmann von Bielefeld aus in das Ghetto von Riga deportiert und dort ermordet. Seine Ehefrau Gertrud wurde wenige Monate darauf, im Frühjahr 1942, in das Konzentrationslager Ravensbrück verschleppt. Sie ist dort am 3. April 1942 ebenfalls ermordet worden.

Die Eheleute hatten eine Tochter, die 1926 geborene Susanne Eichmann. Diese konnte gemeinsam mit ihrer Cousine Irmgard Eichmann am 11. August 1939 mit einem Kindertransport nach Birmingham entkommen. Sie lebte seit den 1950er Jahren in Südafrika.

Texte auf den Stolpersteinen

HIER WOHNTE HANS EICHMANN JG. 1894
DEPORTIERT 1941 RIGA ERMORDET 

HIER WOHNTE GERTRUD EICHMANN GEB. KATZ JG. 1902
DEPORTIERT 1942  RAVENSBRÜCK ERMORDET 3.4.1942

 

Station I: Schloßstraße 16

Ilse und Bruno Eichmann

Ilse Eichmann (geborene Strauss), die 1902 im Rheinland zur Welt gekommen war, und deren 1900 in Schötmar geborener Ehemann Bruno Eichmann lebten seit Sommer 1939 in der Schloßstraße 16 und zwar als Untermieter in der Wohnung von Gertrud und Hans Eichmann.

Bruno Eichmann, der jüngere Bruder von Hans Eichmann, war zuvor ebenfalls selbstständiger Viehhändler gewesen. Sein 1925 gegründetes Geschäft befand sich in der Oerlinghauser Straße 26. Während des Pogroms, am Morgen des 10. November 1938, wurde er verhaftet und für mehrere Wochen in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Am 12. Dezember 1938 wurde er aus dem Lager entlassen. Kurz nach seiner Entlassung erhielt er Berufsverbot: Auf Weisung der Behörden musste er seine Viehhandlung schließen.

Bruno Eichmann und seine Ehefrau Ilse wurden am 13. Dezember 1941 von Bielefeld aus in das Ghetto von Riga deportiert. Während Ilse Eichmann in Riga den Tod fand, wurde Bruno Eichmann am 1. Oktober 1944 in das Konzentrationslager Stutthof (bei Danzig) überführt. Er ist vermutlich dort ermordet worden.

Ursula Eichmann, das einzige Kind von Ilse und Bruno Eichmann, überlebte die NS-Zeit. Mit einem Kindertransport konnte die 1924 geborene Schülerin am 11. August 1939, im Alter von 15 Jahren, nach Birmingham fliehen und sich in Sicherheit bringen. Sie blieb in Großbritannien und gründete dort später eine Familie.

 Texte auf den Stolpersteinen

HIER WOHNTE ILSE EICHMANN GEB. STRAUSS JG. 1902
DEPORTIERT 1941 RIGA
ERMORDET

HIER WOHNTE BRUNO EICHMANN JG. 1900
DEPORTIERT 1941 RIGA
ERMORDET IN STUTTHOF

 

Station I: Schloßstraße 16 (Blatt 4)

 

 

Ella Silberbach und Margret Silberbach

Auch die 1886 in Schötmar zur Welt gekommene Ella Silberbach und deren 1930 geborene Tochter Margret Silberbach lebten im Haus Schloßstraße 16. Ella Silberbach verdiente ihren Lebensunterhalt als Hausgehilfin, lebte also in bescheidenen Verhältnissen. Gemeinsam mit ihrer Tochter Margret und den Hausbewohnern Ilse, Bruno und Hans Eichmann wurde Ella Silberbach am 13. Dezember 1941 von Bielefeld aus in das Ghetto von Riga deportiert. Dort wurden Mutter und Tochter Silberbach ermordet. Ihr genaues Todesdatum ist nicht überliefert.

Texte auf den Stolpersteinen

HIER WOHNTE ELLA SILBERBACH JG. 1884
DEPORTIERT 1941 RIGA ERMORDET

HIER WOHNTE MARGRET SILBERBACH JG. 1930
DEPORTIERT 1941 RIGA ERMORDET

 

 

Station II: Schülerstraße 18

Alma und Herta Silberbach

In der Schülerstraße 18 ? in der Nazizeit trug die Straße die Bezeichnung Schlageterstraße ? wohnten die 1869 in Eldagsen, Kreis Springe, geborene Witwe Alma Silberbach (geborene Mannheim) und deren Tochter Herta Silberbach, eine 1906 in Schötmar zur Welt gekommene Fabrikarbeiterin.

Das Haus Schülerstraße 18 war 1904, nach Abbruch des Vorgängerbaues, von Schlachtermeister Salomon Silberbach, dem Schwiegervater von Alma Silberbach, erbaut worden. Von diesem war das Anwesen auf den Sohn Julius Silberbach übergegangen, dem bereits 1929 im Alter von erst 56 Jahren verstorbenen Ehemann der Alma Silberbach. Die von Julius Silberbach eingerichtete kleine Metzgerei wurde von dessen Witwe Alma bis Ende 1938 fortgeführt. Auf Weisung der NS-Behörden erfolgte zum 31. Dezember 1938 die Schließung des Geschäftes.

Alma Silberbach wurde am 31. Juli 1942 über Bielefeld in das Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt. Von dort erfolgte ihre Deportation in das Vernichtungslager Maly Trostenez (bei Minsk), wo sie ermordet wurde. Ihr Todesdatum ist nicht bekannt.

Ihre Tochter Herta Silberbach wurde am 31. März 1942 von Bielefeld aus in das Ghetto von Warschau verschleppt, wo sie ebenfalls ermordet wurde.

Texte auf den Stolpersteinen

HIER WOHNTE ALMA SILBERBACH GEB. MANNHEIM JG. 1869
DEPORTIERT 1942 THERESIENSTADT
ERMORDET IN  MALY TROSTENEZ

HIER WOHNTE HERTA SILBERBACH JG. 1906
DEPORTIERT 1942 ERMORDET IM GHETTO WARSCHAU

Station II: Schülerstraße 18  

Isaak Weinberg

Zu den Bewohnern des Hauses Schülerstraße 18 gehörte auch der 1885 in Silixen (in Lippe) geborene Isaak Weinberg, der sich seinen Lebensunterhalt als Landarbeiter verdiente. Wegen gesundheitlicher Probleme verließ er Schötmar und zog am 29. September 1939 in ein jüdisches Altersheim nach Berlin-Weißensee.

Ansonsten ist bisher über ihn nur wenig bekannt. Mit größter Wahrscheinlichkeit wurde er von Berlin aus in eines der Konzentrationslager verschleppt und dort ermordet.

Text auf dem Stolperstein

HIER WOHNTE ISAAK WEINBERG  JG. 1885
DEPORTIERT  ZIEL UNBEKANNT ???

 

Station III: Schülerstraße 20

 

Moritz und Berta Wallhausen, Julie Sella Silberbach

Das Haus Schülerstraße 20 gehörte ursprünglich ebenfalls der Familie Silberbach. Hier lebten: Berta Wallhausen, die 1877 in Schötmar geborene Schwester von Julius Silberbach (Schülerstraße 18), ihr aus Lütthorst, Kreis Einbeck, stammender Ehemann, der Schlachter Moritz Wallhausen (Jahrgang 1881), deren gemeinsamer Sohn Günther Wallhausen (Jahrgang 1920) sowie Julie Sella Silberbach (Jahrgang 1879), eine jüngere Schwester von Berta Wallhausen.

Moritz und Berta Wallhausen hatten im Jahre 1920 in dem Haus eine Metzgerei eröffnet, die sie Ende 1938 auf Grund einer behördlichen Verfügung schließen mussten.

Am 13. Dezember 1941 wurden die Eheleute Wallhausen, deren Sohn Günther sowie Julie Sella Silberbach über Bielefeld in das Ghetto von Riga deportiert. Dort wurden Moritz und Berta Wallhausen und auch Julie Sella Silberbach ermordet.

Einzig Günther Wallhausen überlebte die Leidenszeit in den Konzentrationslagern. Nach einer Odyssee durch mehrere Lager, letzte Station war das Konzentrationslager Stutthof (bei Danzig), emigrierte er im Mai 1945 nach Schweden, wo er eine aus Polen gebürtige Jüdin heiratete. Mit ihr zog er später nach Sydney (Australien); dort verstarb er 1967, im Alter von erst 47 Jahren.

 Texte auf den Stolpersteinen

HIER WOHNTE MORITZ WALLHAUSEN JG. 1881
DEPORTIERT 1941 RIGA ERMORDET

HIER WOHNTE BERTA WALLHAUSEN GEB. SILBERBACH JG. 1877
DEPORTIERT 1941 RIGA ERMORDET

HIER WOHNTE JULIE SELLA SILBERBACH JG. 1879
DEPORTIERT 1941 RIGA ERMORDET

Station III: Schülerstraße 20 (Blatt 2) 

Johanna Eichmann

Zu den Bewohnern des Hause Schülerstraße 20 gehörte auch für wenige Monate die 1869 in Essen geborene Johanna Eichmann. Sie war am 3. Oktober 1938 von Bad Salzuflen aus zugezogen. Bereits am 20. April 1939 verließ sie Schötmar in Richtung Bielefeld und lebte dort in der Stapenhorststraße 35 in einem jüdischen Altersheim. Über ihre Lebensgeschichte ist sonst weiter nichts bekannt.

Johanna Eichmann wurde am 31. Juli 1942 von Bielefeld aus in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und dort am 20. Juni 1943 ermordet.

 Text auf dem Stolperstein

HIER WOHNTE JOHANNA EICHMANN JG. 1869
DEPORTIERT 1942 THERESIENSTADT ERMORDET 20.6.1943

 

Station IV: Schülerstraße 22

Paul, Hedwig, Else und Berta Hamlet

Im Haus Schülerstraße 22 lebten die Geschwister Paul, Hedwig, Else und Berta Hamlet, die alle zwischen 1892 und 1899 in Schötmar geboren wurden.

Das Wohnhaus der Geschwister Hamlet war Ende des 19. Jahrhunderts von dem Kaufmann Max Hamlet errichtet worden. Max Hamlet hatte hier 1911 eine Viehhandlung eingerichtet, die in den 1920er Jahren von seinem Sohn Paul Hamlet (Jahrgang 1892) übernommen wurde. Dieser musste den Betrieb auf behördliche Weisung zum Ende des Jahres 1938 aufgeben.

Paul Hamlet, dessen Ehefrau Anna (geborene Blum) am 18. Juni 1942 in einem jüdischen Krankenhaus in Hannover verstorben war, wurde am 31. Juli 1942 von Bielefeld aus nach Theresienstadt deportiert. Von dort wurde er am 29. Januar 1943, zusammen mit 1000 anderen Juden, in das Vernichtungslager Auschwitz überführt, wo er ermordet wurde.

Hedwig Hamlet, die unverheiratete Zwillingsschwester von Paul Hamlet, hatte 1934 im Haus Schülerstraße 22 ein Seifengeschäft mit angeschlossenem Versandhandel gegründet, das zum Jahresende 1938 ebenfalls zwangsweise geschlossen wurde.

Hedwig Hamlet wurde, gemeinsam mit ihren ebenfalls unverheirateten Schwestern Else und Berta Hamlet, am 13. Dezember 1941 von Bielefeld aus in das Ghetto von Riga deportiert. Dort wurden Hedwig und Else Hamlet ermordet.

Berta Hamlet, die seit den frühen 1920er Jahren als Hausgehilfin in zahlreichen jüdischen Familien gearbeitet hatte, wurde am 9. August 1944 von Riga in das Konzentrationslager Stutthof deportiert und dort ebenfalls ermordet.

Texte auf den Stolpersteinen

HIER WOHNTE PAUL HAMLET  JG. 1892
DEPORTIERT 1942 THERESIENSTADT  ERMORDET  RIGA

HIER WOHNTE HEDWIG HAMLET  JG. 1892 
DEPORTIERT 1941   ERMORDET   RIGA

HIER WOHNTE  ELSE HAMLET  JG. 1896
DEPORTIERT 1941   ERMORDET AUSCHWITZ


HIER WOHNTE  BERTA HAMLET JG. 1899
DEPORTIERT 1941 RIGA    ERMORDET IN STUTTHOF

Station IV: Schülerstraße 22 (Blatt 2)

Meinhard, Sofie und Fritz Grünewald

Zu den Bewohnern des Hauses Schülerstraße 22 zählte auch die Familie Grünewald: der 1878 in Oerlinghausen geborene Kaufmann Meinhard Grünewald, dessen aus Rotenburg bei Fulda stammende Ehefrau Sofie (geborene Rotschild) und deren Sohn Fritz (Jahrgang 1905).

Meinhard Grünewald war ein erfolgreicher Geschäftsmann. Gemeinsam mit Richard Silberbach hatte er 1934 im Haus Krumme Weide 47 in Schötmar eine kleine Celluloidwaren- und Zopfhalterfabrik gegründet, in der zeitweilig bis zu 9 Männer und Frauen beschäftigt waren. Der Betrieb musste auf behördliche Anweisung zum Jahresende 1938 geschlossen werden.

Während Richard Silberbach noch Ende August 1939, wenige Tage vor Kriegsbeginn, mit seiner Familie nach England fliehen konnte, wurden Meinhard, Sofie und Fritz Grünewald am 8. Juli 1942 über Bielefeld nach Auschwitz deportiert. Fritz Grünewald trug dort die Häftlingsnummer 78 618. Die gesamte Familie wurde in dem Vernichtungslager ermordet; ihre Sterbedaten sind nicht überliefert.

Texte auf den Stolpersteinen

HIER WOHNTE MEINHARD GRÜNEWALD JG. 1878
DEPORTIERT 1942 ERMORDET IN AUSCHWITZ

HIER WOHNTE SOFIE GRÜNEWALD GEB. ROTSCHILD  JG. 1881
DEPORTIERT 1942 ERMORDET IN AUSCHWITZ

HIER WOHNTE FRITZ GRÜNEWALD JG. 1905
DEPORTIERT 1942 ERMORDET IN AUSCHWITZ

 

Station V: Begastraße 22

Salomon und Rosa Silberbach sowie Hildegard van der Wijk

Im Haus Begastraße 22 lebte die Familie Silberbach: der 1875 in Schötmar geborene Viehhändler Salomon Silberbach, dessen aus Achim bei Bremen stammende Ehefrau Rosa (geborene Anspacher) sowie deren Tochter Hildegard (Jg.), die mit dem aus Emden gebürtigen Siegfried van der Wijk verheiratet war. Letzterer war nicht in Schötmar ansässig.

Salomon Silberbach führte in dem Haus eine Viehhandlung, die bereits 1911 von seinem Vater Herz Silberbach gegründet worden war. Auf Grund der andauernden Hetze der Nationalsozialisten gegen jüdische Händler blieben die Kunden aus, so dass der einst florierende Betrieb am 27. Juni 1938 geschlossen werden musste.

Acht Monate später, am 21. Februar 1939, flohen Salomon und Rosa Silberbach nach Den Haag in die Niederlande, die bekanntlich bereits im Frühjahr 1940 von der deutschen Wehrmacht besetzt wurden. Auf Veranlassung der Gestapo wurde den Eheleuten Silberbach am 7. Januar 1941 die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt. Am 26. Januar 1943 wurden die nun ?staatenlosen? Salomon und Rosa Silberbach in das Internierungslager Westerbork verschleppt. Von dort erfolgte am 13. April 1943 ihre Deportation in das Vernichtungslager Sobibor. Am 16. April 1943, unmittelbar nach der Ankunft in dem Lager, wurden Salomon und Rosa Silberbach ermordet.

Die Tochter Hildegard van der Wijk, die bereits am 10. Juni 1938 nach Holland gefohen war, wurde ebenfalls, gemeinsam mit ihrem Ehemann Siegfried, nach Sobibor deportiert. Sie wurde dort am 4. Juni 1943 ermordet, ihr Ehemann drei Tage darauf.

Texte auf den Stolpersteinen

HIER WOHNTE SALOMON SILBERBACH JG. 1875
FLUCHT 1939 HOLLAND   INTERNIERT  WESTERBORK HOLLAND
DEPORTIERT 1943  ERMORDET 16.4.1943  SOBIBOR

HIER WOHNTE  ROSA SILBERBACH  GEB. ANSPACHER JG. 1886
FLUCHT 1939 
INTERNIERT WESTERBORK
DEPORTIERT 1943  ERMORDET 16.4.1943 SOBIBOR

HIER WOHNTE   HILDEGARD VAN DER WIJK  GEB. SILBERBACH  JG. 1912
FLUCHT 1938  HOLLAND  INTERNIERT DEPORTIERT SOBIBOR ERMORDET 4.6.1943

Station V: Begastraße 22

Martha und Kurt Hünerberg

Zu den Bewohnern des Hauses Begastraße 22 gehörten auch die 1884 in Achim bei Bremen geborene Martha Hünerberg (geborene Anspacher) sowie deren Sohn Kurt (Jahrgang 1924). Martha Hünerberg war die ältere Schwester von Rosa Silberbach und damit die Schwägerin von Salomon Silberbach.

Gemeinsam mit ihrem Sohn war die Witwe am 18. November 1938 von Neustadt am Rübenberge zugezogen. Beide wohnten nur wenige Monate mit ihren Verwandten unter einem Dach. Am 18. April 1939 zogen sie um nach Hannover. Von dort wurden Martha und Kurt Hünerberg am 31. März 1942 in das Ghetto von Warschau deportiert. Martha Hünerberg wurde im Ghetto ermordet; Kurt Hünerberg wurde von Warschau in das Vernichtungslager Treblinka verschleppt und dort ebenfalls ermordet.

Texte auf den Stolpersteinen

HIER WOHNTE   MARTHA HÜNERBERG  GEB. ANSPACHER  JG. 1884
DEPORTIERT 1942  ERMORDET IM  GHETTO WARSCHAU

HIER WOHNTE   KURT HÜNERBERG  JG. 1924 
DEPORTIERT 1942  GHETTO WARSCHAU   ERMORDET IN  TREBLINKA 

 

Station V: Begastraße 22

Anna Block

Auch die 1885 in Petershagen, Kreis Minden, geborene Anna Block gehörte für kurze Zeit zu den Bewohnern des Hauses Begastraße 22. Die ledige Hausgehilfin, die zuvor in Herford gelebt hatte, wohnte dort von Mai bis August 1938. Am 31. August 1938 zog sie nach Minden, Stiftsstraße 10.

Am 13. Dezember 1941 wurde Anna Block von Bielefeld aus in das Ghetto von Riga deportiert und dort ermordet.  

Text auf dem Stolperstein  

HIER WOHNTE   ANNA BLOCK  JG. 1885 
DEPORTIERT 1941  ERMORDET IN  RIGA 

 

Station V: Begastraße 22  

Edith Seligmann

Über die 1906 in Schötmar geborene Edith Seligmann (geborene Silberbach), die ebenfalls zu den Bewohnern des Hauses Begastraße 22 gehörte, ist nur wenig bekannt. Sie war eine Groß-Cousine des Hausbesitzers Salomon Silberbach und hatte bereits in jungen Jahren ihren Ehemann Werner Seligmann durch einen Unfall verloren.

Edith Seligmann wurde am 8. Juli 1942 über Bielefeld in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Text auf dem Stolperstein 

HIER WOHNTE   EDITH SELIGMANN  GEB. SILBERBACH  JG. 1906
DEPORTIERT 1942   ERMORDET IN  AUSCHWITZ

 

 

Station VI: Schülerstraße 23

Michael Fürst

Michael Fürst, ein 1895 in Polen geborener Lederhändler, gehörte seit 1924 zu den Bewohnern des Hauses Schülerstraße 23. Weil er sich als Ausländer und Jude ständigen Anfeindungen durch die Nationalsozialisten ausgesetzt sah, floh ?Micha?, wie ihn die Nachbarn nannten, 1935 nach Belgien. Dort wurde er 1940 von deutschen Truppen festgenommen und anschließend wieder nach Lippe zurückgeführt. Am 29. Januar 1941 verurteilte ihn das Amtsgericht in Detmold wegen eines angeblichen Devisenvergehens zu einer Haftstrafe von 18 Monaten. Nach seiner am 23. Mai 1942 erfolgen Entlassung aus dem Detmolder Amtsgerichtsgefängnis wurde er in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und dort ermordet.

Text auf dem Stolperstein

HIER WOHNTE  MICHAEL FÜRST  JG. 1895
FLUCHT 1935  BELGIEN 
VERHAFTET 1941 AMTSGERICHTSGEFÄNGNIS DETMOLD
DEPORTIERT 1942  THERESIENSTADT  ERMORDET

 

Station VII: Schülerstraße 29

Julius Silberbach

Das Haus Schülerstraße 29 wurde 1926 von dem 1868 in Schötmar geborenen Viehhändler Julius Silberbach erbaut. Er war mit der aus Linz am Rhein gebürtigen Pauline Silberbach (geborene Goldschmidt) verheiratet, die bereits 1930, im Alter von erst 59 Jahren, in Schötmar verstorben ist. Ihr Grabmal findet man auf dem jüdischen Friedhof an der Oerlinghauser Straße.

Sein bereits kurz nach der Jahrhundertwende gegründetes Viehgeschäft musste Julius Silberbach im Dezember 1935 aus gesundheitlichen Gründen aufgeben.

Am 14. Juni 1939 verzog der Witwer nach Emden in ein israelitisches Altersheim. Von dort wurde er 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo er ermordet wurde.

Text auf dem Stolperstein

HIER WOHNTE  JULIUS SILBERBACH  JG. 1868
DEPORTIERT 1942  THERESIENSTADT  ERMORDET 14.12.1942

 

 

 

Station VIII: Eduard-Wolff-Straße 5  

Meta Schneider

In der Eduard-Wolff-Straße 5, die in der NS-Zeit noch Bahnhofstraße genannt wurde, lebte seit dem 15. Dezember 1937 die Witwe Meta Schneider (geborene Nordhäuser). Die damals 45-Jährige war aus Köln zugezogen und arbeitete als Haushälterin bei dem früheren Viehhändler Julius Silberbach in der Schülerstraße 29 in Schötmar.

Als Julius Silberbach im Juni 1939 seinen Wohnsitz nach Emden verlegte, verließ Meta Schneider Lippe und zog nach Bad Oeynhausen. Sie ist später in eines der Lager im Osten verschleppt und dort mit größter Wahrscheinlichkeit ermordet worden. Todesort und Todeszeitpunkt konnten bisher nicnht ermittelt werden.

Text auf dem Stolperstein

HIER WOHNTE META SCHNEIDER GEB. NORDHÄUSER JG. 1891
DEPORTIERT  ZIEL UNBEKANNT ???

 

 

zukünftige

Station IX in der Vehrlingstraße 

Berta Cohen

Im einem Haus in der Vehrlingstraße, während der NS-Zeit hieß die Straße noch Gartenstraße, wohnte seit Mitte der 1920er Jahre die 1866 in Schötmar geborene Berta Cohen. Sie war Witwe; ihr Ehemann, der Schlachtermeister Nathan Cohen, war bereits am 6. Juli 1924 in Schötmar verstorben. Sein Grabmal findet man auf dem Friedhof an der Oerlinghauser Straße.

Berta Cohen verzog am 2. September 1939 nach Berlin. Von dort wurde sie am 28. Mai 1943 in das Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt, wo sie am 13. April 1945 ermordet wurde.

Text auf dem bereitgestellten Stolperstein

HIER WOHNTE BERTA COHEN GEB. SILBERBACH JG. 1866
DEPORTIERT 1943 THERESIENSTADT ERMORDET 13.4.1945

Die Verlegung des Stolpersteins für Berta Cohen in der Verlingstrasse erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt.