Anno 1437: Wilhelmus gießt die neue Glocke

Schötmars Katharinenglocke ist 575 Jahre alt

Rund um die Kilianskirche wurde am 1. Juli 2012 ein Glockenfest gefeiert.

Am Mittwoch nach dem Glockenfest berichtet Jan Christian Pinsch in der Lippischen Landeszeitung über das Fest:

 

Die Jüngsten dürfen das alte Eisen anschlagen

Seit 575 Jahren läutet die Katharinenglocke zum Gebet ? Viele Besucher steigen auf den Kirchturm


Von Jan Christian Pinsch


Seit 1437 läutet die Katharinenglocke im Turm der Kilianskirche. Sie ist damit das älteste, ununterbrochen im Gebrauch stehende Monument der Stadt Bad Salzuflen.

Bad Salzuflen-Schötmar. Ein schöner Anlass für die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Schötmar, dieses besondere Jubiläum mit einem großen Fest zu zelebrieren. Bereits der Gottesdienst, zu dem die Katharinenglocke an ihrem Festtag als einzige läutete, stand ganz im Zeichen des Jubiläums. Die Lieder des Chores und der Gemeinde sowie die Texte der Predigt bezogen sich dabei auf die Inschriften, die auf den Glocken angebracht wurden. Pfarrer Matthias Schmidt betonte: In einer Zeit, in der Menschen innerlich verunsichert werden, weil falsch verstandene Toleranz und Rücksichtnahme zu einer unguten Selbstreduzierung christlicher Lebensäußerung geführt hat, ist es gut, den Klang der Glocken und die damit verbundene Botschaft zu bewahren.

Mehr denn je stand dieser Klang beim Gottesdienst zum Jubiläum der Katharinenglocke im Mittelpunkt. Auch der Schlusspunkt war der 575-jährigen Glocke vorbehalten: Anstelle des Orgelnachspiels ertönte sie beim Auszug der Gemeinde, die sich danach vor der Kirche versammelte, um das volle Geläut aller drei Glocken zu genießen.


Anschließend begann das Fest für Jung und Alt rund um die Kirche. So hatten die Besucher vor der Begegnungsstätte bei Auftritten unterschiedlicher Musikgruppen die Möglichkeit, neben dem Klang der Glocke auf noch weitere musikalische Beiträge zu hören; es spielten unter anderem die Musikfreunde ?Zeitlos?, die Jungbläser der Gemeinde und ein Saxophonensemble der Musikschule. Außerdem konnte man sich auf eine Rallye begeben, die Jugenddiakon Axel Schwarze mit Lehrern, Schülern und Eltern der Grundschulen am Kirchplatz und Wasserfuhr gestaltet hatte. Die Kinder hatten die Aufgabe, allein oder mit Unterstützung der Eltern knifflige Fragen rund um die Glocken und die Kilianskirche zu lösen. Auch für das leibliche Wohl wurde mit einem Grillbuffet am Gemeindehaus gesorgt.


Der absolute Höhepunkt war für viele Besucher jedoch die Kirchturmbesteigung, die Schmidt stündlich anbot. Im Rahmen der Führung wurden natürlich auch die Katharinenglocke und ihre jüngeren Schwestern besichtigt. Schmidt erzählte dabei wissenswerte Hintergrundinformationen zur Geschichte der Glocken und hatte für die Kleinsten eine besondere Überraschung parat: Die jeweils jüngsten Teilnehmer der Führung hatten die Gelegenheit, die Glocken anzuschlagen.


Sie und die anderen Besucher staunten schließlich, wie der Klang auch mehrere Sekunden nach dem Schlag noch anhielt. ?Meistens läuten sie gemeinsam?, erklärte Schmidt. ?Aber es ist doch auch ein besonderer Genuss, sie einzeln zu hören.?


Zum Abschluss des Festes erklangen die drei Glocken, wie zu Beginn, schließlich noch einmal im vollen Geläut.

 

 

Hintergrund:

Heilige Jungfrau


Die Katharinenglocke ist die älteste von derzeit drei aktiven Glocken im Turm der Kilianskirche. Sie wurde am 8. Juli 1437 auf dem Kirchplatz gegossen und wenige Tage später eingesetzt. Sie ist 1500 Kilo schwer und hat einen Durchmesser von 127 Zentimeter. Namensgeberin ist die heilige Jungfrau Katharina von Alexandria, die im dritten Jahrhundert nach Christus gelebt haben soll und zu den 14 sogenannten Nothelfern gehört, denen im Mittelalter viele Glocken geweiht wurden. Nach dem Abbruch der Vorgängerkirche 1847 wurde die Katharinenglocke auch Teil der neuen Kilianskirche.(jcp)

© 2012 Lippische Landes-Zeitung, Mittwoch 04. Juli 2012