Taufe

Eine Einführung aus der Reformierten Liturgie


Durch die Taufe wird ein Mensch in die christliche Gemeinde aufgenommen. Er erhält damit Anteil an allen Zusagen, die Gott seiner Gemeinde gegeben hat.

Die Taufe ist in den reformierten Kirchen nicht an ein bestimmtes Lebensalter gebunden. Darum enthält die Reformierte Liturgie Formulare für die Taufe von Kindern - Säuglingen oder heranwachsenden Kindern - und von Erwachsenen.

Die Taufe wird als Teil des sonntäglichen Gottesdienstes verstanden und nicht bei den Kasualien eingeordnet. Das hat seinen theologischen Grund darin, dass wir die Taufe nicht wie andere Kasualien auf den menschlichen Lebenszyklus beziehen: Sie ist ihrem Wesen nach kein Übergangsritus anlässlich der Geburt eines Kindes, ihre Bezugsgröße ist nicht die Familie, sondern die Gemeinde. Obgleich auch in unseren Kirchen die Taufe weit überwiegend am Lebensanfang eines Menschen vollzogen wird, unterscheiden wir sie deutlich von einer »Dank- und Fürbitthandlung anlässlich der Geburt eines Kindes«.

Bei allem Verständnis für das Empfinden von Eltern oder Großeltern, in dem oftmals die Dankbarkeit für das empfangene Geschenk des neuen Lebens im Vordergrund steht, muss im vorangehenden Taufgespräch besprochen und im liturgischen Vollzug der Taufe deutlich gemacht werden, dass das Geheimnis der Taufe die Verbindung des Täuflings mit dem für ihn in den Tod gegangenen Herrn und die Einfügung in seine Gemeinde ist. Darum gehört jede Taufe, auch die eines Säuglings, nicht in das Elternhaus, sondern in die Versammlung der Gemeinde, den Gottesdienst.

Jede Taufhandlung ist zugleich eine Tauferinnerung für die schon getauften Gemeindeglieder. So versteht es der Heidelberger Katechismus in Frage 69. Das wahrhafte Taufgedächtnis besteht darin, von der Taufe Gebrauch zu machen durch eine altersgemäße Teilnahme an der Versammlung der Getauften. Das Mitfeiern der Taufe eines Menschen ist die beste Erinnerung an das eigene Getauftsein.

Darum sollte die Taufe nicht nur im Gemeindegottesdienst stattfinden, sondern der Gemeindegottesdienst selbst sollte, wenn Taufen in ihm vollzogen werden, so gestaltet werden, dass Erwachsene und Kinder an ihm teilnehmen können und dadurch an ihre eigene Taufe erinnert werden.

Die Taufe kann im Gemeindegottesdienst vor oder nach der Predigt stattfinden. Wenn sie vor der Predigt stattfindet, wird sie unmittelbar nach dem Eingangslied eingefügt. Ein Taufgebet kann an die Stelle des Eingangsgebets treten, die Einsetzungsworte ersetzen die Schriftlesung. Das Glaubensbekenntnis wird innerhalb der Taufliturgie gesprochen. Wenn das Unser-Vater mit der Taufhandlung verbunden wird, entfällt es nach dem Fürbittgebet. Auf die Taufe folgt das Predigtlied. Auf eine Taufansprache zu Beginn der Taufhandlung sollte nicht verzichtet werden, um die Bedeutung der Taufe auszusagen. Die in der Reformierten Liturgie enthaltenen Textvorschläge sind Beispiele; wenn eine freie Ansprache gehalten wird, werden die agendarischen Taufansprachen nicht verwendet. Findet die Taufe nach der Predigt statt, folgt sie dem Lied nach der Predigt. Das Glaubensbekenntnis wird erst in der  Taufhandlung gesprochen und das Gebet nach der Taufe mit dem Dankgebet und den Fürbitten verbunden.

Die Taufe als »sichtbares Wort« wird in der reformierten Kirche von den Personen vollzogen, die mit der Verkündigung des Wortes beauftragt sind.

Wenn ein Mensch am Lebensanfang getauft wird, kann er noch nicht selber auf die Tauffrage antworten; Eltern (und Paten bzw. Patinnen) antworten stellvertretend für ihn. Bei heranwachsenden Kindern sollte das Kind an der Antwort auf die Tauffrage beteiligt werden. Kinder, die älter als sieben Jahre sind, antworten selbst. Dabei sind die Eltern zu beteiligen, solange ein Täufling noch nicht religionsmündig ist. Bei der Kindertaufe nach einem Formular der Kirche von Schottland wird auf das Stellen von Tauffragen in der uns geläufigen Weise verzichtet; stattdessen wird nach dem Einstimmen in den christlichen Glauben gefragt. Das Formular für die Erwachsenentaufe fragt nicht nur nach dem Willen, getauft zu werden, sondern sieht auch die Möglichkeit eines ausgeführten Taufversprechens vor.

Die Taufe selbst besteht im dreimaligen Übergießen mit fließendem Wasser bei gleichzeitigem Aussprechen der dreigliedrigen trinitarischen Taufformel. Diese Taufformel darf nicht verändert werden. Ein Zuspruch mit einem Bibelwort oder einem Segenswort kann angefügt werden.

Die liturgische Tradition der Kirche kennt als weitere »begleitende Riten«, also Handlungen, die die Taufe entfalten, z.B. die Salbung, die Übergabe eines Taufgewandes, einer Taufkerze, die Bezeichnung mit dem Kreuzeszeichen und die Hefata-Handlung. Wegen der Gefahr, dass durch diese symbolischen Handlungen die für die Taufe zentrale Handlung der Übergießung mit Wasser verdeckt wird, hat die reformierte Kirche von diesen und ähnlichen symbolischen Handlungen weithin Abstand genommen. Wenn weitere Symbolhandlungen vollzogen werden, ist darauf zu achten, dass sie den theologischen Gehalt der Taufe unterstreichen und nicht verdecken. Durch die Zusammenfügung mehrerer ritueller Zeichen wird erfahrungsgemäß die Prägnanz der einzelnen Symbolhandlung eher geschwächt als verstärkt.

Den Anregungen der Lima-Erklärung von 1982 zur Taufe folgend enthält die Reformierte Liturgie fakultative Texte für eine Tauferklärung und ein Willkommen. Sie sind als doppelte Anrede an die Gemeinde und an den Täufling gestaltet. Die Beziehung der Taufe auf die Gemeinde und die Einbeziehung des Neugetauften in die Schar der Getauften wird damit unterstrichen.

Damit die Taufhandlung gleichzeitig Tauferinnerung der Gemeinde sein kann, muss sie so vollzogen werden, dass die Gemeinde die Taufe zu sehen vermag. Die Aufstellung von Eltern (und Paten bzw. Patinnen) ist so zu wählen, dass sie den Blick der Gemeinde auf den Vollzug der Taufe nicht unmöglich macht.

Die nachstehenden drei Taufformulare bieten unterschiedliche Möglichkeiten: Das erste Formular für die Kindertaufe ist vielen unserer Gemeinden seit langem vertraut. Ihm zur Seite steht eine Ordnung der Kindertaufe, die einem Formular der Kirche von Schottland nachgebildet ist. Dieses Formular zeichnet sich durch eine große Geschlossenheit, sprachliche und inhaltliche Eindringlichkeit und ökumenische Offenheit aus. Bei der Ordnung der Erwachsenentaufe folgen wir in Freiheit dem Taufbuch der Evangelischen Kirche der Union (Vorentwurf einer Revidierten Taufagende 1997).

Die ursprüngliche reformierte Tradition kennt die »Nottaufe« nicht. Unter einer Nottaufe wird die Taufe eines Kindes - meist unmittelbar nach der Geburt - verstanden, das sich in Lebensgefahr befindet. Die Taufe kann durch jedes getaufte Gemeindeglied vollzogen werden.

Die reformierte Tradition geht davon aus, dass die Taufe zwar geboten, aber nicht heilsnotwendig ist. Da außerdem die Taufe als »Siegel« auf die Zusage des Evangeliums bezogen ist, gehört ihr Vollzug in die Hand der Person, die mit der Wortverkündigung beauftragt ist.

Neben der »Nottaufe« kennt die Tradition die »Jäh-Taufe«. Es ist ebenfalls eine Taufe, die wegen drohender Todesgefahr vollzogen wird; der Unterschied zur »Nottaufe« liegt darin, dass nur der Pastor oder die Pastorin der Gemeinde die Taufe vornehmen kann. Er oder sie vollzieht die Taufe außerhalb des Gemeindegottesdienstes aus plötzlich, »jäh« gegebenem Anlass.

Zu einer Not- wie zu einer Jäh-Taufe gehört die Erfragung des Taufbegehrens, wenn eine Person vorhanden ist, die die Frage beantworten kann. Unbedingt notwendig ist die dreimalige Übergießung mit Wasser unter Verwendung der trinitarischen Taufformel. Wenn die Zeit es erlaubt, sollte das Glaubensbekenntnis und das Unser-Vater gesprochen werden.

Die heutige Praxis hinsichtlich der Nottaufe ist in den reformierten Gemeinden und Kirchen in Deutschland unterschiedlich. Wo die Nottaufe bekannt ist, findet sich im Evangelischen Gesangbuch ein entsprechendes Formular.

In vielen Gemeinden ist es üblich oder Vorschrift, einem Taufkind Paten bzw. Patinnen zu geben. Ursprünglich ist der Pate Taufzeuge; die schriftliche Dokumentation der Taufe in einem »Kirchenbuch« und einem »Taufschein« wurde erst seit dem 16. Jahrhundert üblich. Die Rechte des Patenamts sind in den einzelnen Gemeinden und Kirchen unterschiedlich geregelt. Im Vollzug der Taufe kann ein Pate oder eine Patin auf unterschiedliche Weise beteiligt sein: Er oder sie antwortet mit den Eltern auf die Tauffrage und bejaht die Taufverpflichtung; er oder sie hält das Kind zur Taufe und kann ihm einen Segenswunsch zusprechen; er oder sie kann bei der späteren Konfirmation beteiligt werden.


Von den Verfassern erlaubter AUSZUG
Reformierte Liturgie -Gebete und Ordnungen für die unter dem Wort versammelte Gemeinde- im Auftrag des Moderamens des Reformierten Bundes erarbeitet und herausgegeben von Peter Bukowski  Arend Klompmaker  Christiane Nolting  Alfred Rauhaus Friedrich Thiele

© Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme

Reformierte Liturgie : Gebete und Ordnungen für die unter dem Wort versammelte Gemeinde / im Auftr. des Moderamens des Reformierten Bundes erarb. und hrsg. von Peter Bukowski,  ... -

Wuppertal : Foedus, 1999      ISBN 3-932735-36-6 (Foedus-Verl.)     ISBN 3-7887-1777-7 (Neukirchener-Verl.)

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